Das Yubisuri

shamisen yubisuri
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Wozu braucht man das Yubisuri und wie trägt man dieses kleine Teil eigentlich richtig? Das Yubisuri ist ein sehr praktischer kleiner Begleiter, der zurecht einen festen Platz im Instrumentenkasten ein es jeden Shamisen-Spielers hat. Was die verschiedenen Modelle unterscheidet und wie man die richtige Größe findet, gibt es hier nachzulesen.
Das Yubisuri gehört zu den wohl am stärksten unterschätzten und am meisten ignorierten Accessoires beim Shamisen Spielen. Es ist klein, weich, geht gerne mal verloren, und manchmal merkt man zuerst gar nicht, wenn man es nicht trägt. Ohne Yubisuri spielt es sich aber zäh und mühsam.

Yubisuri = Yubikake

Das Yubisuri ist auch unter dem Namen Yubikake bekannt. Ich bezeichne es auch gerne als Fingerhöschen oder Fingersöckchen, weil man sich diese Umschreibung leichter merken kann. Sinn und Zweck des Yubisuri ist, für mehr Agilität auf der Shamisen zu sorgen. Das kleine Teil verhindert, dass man mit der Haut der die Positionen greifenden Hand mit dem Hals der Shamisen in Kontakt kommt und sorgt so für ein nahezu reibungsloses Gleiten entlang des Sao beim Spielen. Das Yubisuri wird also normalerweise an der linken Hand getragen. Bei Instrumenten, die für Linkshänder umgebaut sind, wird das Yubisuri entsprechend an der rechten Hand getragen.

Ein Yubisuri besteht aus zwei elastische Schlaufen, die durch einen ebenfalls elastischen Steg miteinander verbunden sind. Maschinell sind Yubisuri gestrickt, von Hand gemacht sind sie oft gehäkelt.

maschinell gestrickt

gestrickt

gehäkelt

Modelle

Yubisuri gibt es grundlegend in zwei verschiedenen Modellen, die sich in der Breite der Fingerschlaufen unterscheiden. Bei dem Modell, das man üblicherweise für Shamisen mit einem breiten Hals (Futozao) benutzt, sind beide Schlaufen gleich breit, um mehr Auflagefläche am Hals zu bieten. Das andere Modell hat eine sehr schmale und eine breite Schlaufe. Die schmale Schlaufe ist für den Zeigefinger und die breite für den Daumen. Mit diesem Modell spielt es sich leicht auf Instrumenten mit schmalem Hals (Hosozao), weil man mit einer breiten Schlaufe am Zeigefinger versehentlich gegen die dünne Saite kommt und den Ton versehentlich abdämpft.
Ich persönlich fertige meine Yubisuri immer mit einer mittelbreiten Schlaufe für den Zeigefinger. Das bietet mir besondere Agilität bei gleichzeitig großer Auflagefläche am Hals. Ich komme also mit dem Yubisuri weder gegen die dünne Saite, noch komme ich mit meiner Haut in Kontakt mit dem Holz.

yubisuri fuer hosozao

Modell 1

Modell 2

Yubisuri richtig tragen

Wenn man zwei unterschiedlich breite Schlaufen hat, kommt die schmale Schlaufe an den Zeigefinger. Bei einem Yubisuri mit gleich breiten Schlaufen ist es egal, wie herum man es trägt.

Haltet das Yubisuri so, dass die innere Öffnung die Beiden Schlaufen zu sehen sind. Also nicht mit der Hängematte nach oben. Ihr wollt von innen mit den Fingern in die Schlaufen schlüpfen:

yubikake anziehen schritt 1
Schritt 1: Daumen und Zeigefinger zusammennehmen.
yubikake anziehen schritt 2

Schritt 2: In der Mitte des Yubisuri platzieren.

yubikake anziehen schritt 3

Schritt 3: Finger nach außen  in die Schlaufen gleiten lassen.

yubikake anziehen schritt 4

Schritt 4: Schlaufen bis zum Anschlag herunter schieben.

Wie es nicht aussehen sollte

So simpel es auch scheint, es gibt zwei Arten, wie man sein Yubisuri falsch anlegen kann: 1. Kopfüber mit der schmalen Schlaufe am Daumen, 2. Inside-Out mit den Fingern von außen in die Schlaufen geschlüpft. Beide Varianten sieht man bei Anfängern häufig.

yubikake falschrum

Fehler: Die schmale Schlaufe gehört an den Zeigefinger.

yubikake falschrum

Fehler: Immer von innen nach außen reinschlüpfen.

Die richtige Größe

Da Hände sehr unterschiedlich gebaut sind, gibt es Yubisuri in verschiedenen Größen. Die Schlaufen sollten sich angenehm an die Finger anschmiegen, wie ein bequemer Socken. Wenn ein Yubisuri zu eng ist, kommt man meistens gar nicht erst richtig in die Schlaufe. Schafft man es doch, sich in ein zu enges Yubisuri zu zwängen, stört es beim Spielen, weil man es einfach immer spürt. Zu weit sollten die Schlaufen aber auch nicht sein, weil sich das Yubisuri dann schlabbrig anfühlt und auch wieder ablenkt.

Der verbindende Steg sollte lang genug sein, dass man die Hand leicht aufspreizen kann. Ein zu langer Steg kann sich sperrig anfühlen, und ein zu kurzer die Spannweite einschränken. Das macht sich dann vor allem bei Griffen wie 6-9 mit Zeigefinger und Ringfinger bemerkbar, wo man den Zeigefinger wirklich nach hinten zieht. 

yubisuri zu eng

Schlaufen zu eng

yubisuri zu weit

Schlaufen zu weit

yubisuri zu locker

Steg zu lang

yubisuri zu weit

Steg zu kurz

Der persönliche Geschmack

Es gibt in der Passform kein „richtig“ oder „falsch“. Jeder muss selbst herausfinden, was bequem ist und beim Spielen hilft. Ich persönlich neige zu festeren, kürzeren Stegen und eng sitzenden Schlaufen, weil es mich stört, sobald ich merke, dass das Yubisuri sich bewegt. Aber ich kenne sehr viele Spieler, die sich durch eng sitzende Schlaufen eingeengt fühlen. Es ist also wie so oft alles vom eigenen Geschmack abhängig. Das wichtigste ist, dass man das Yubisuri nicht spürt und nichts vom eigentlichen Spielen ablenkt. Und dass man es nicht falsch herum trägt.
Wer noch kein Yubisuri hat oder ein anderes braucht (oder mal eine andere Farbe möchte), wird im Shami-Shop fündig (besonders kleine oder große Sondergrößen können angefertigt werden).

yubisuri guter sitz

Gute passform

yubisuri guter sitz

Gute passform

Hier das Video zum Artikel ansehen:

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